Und wie man seinen Weg findet
Kennt ihr das auch? KI ist schon etwas Faszinierendes, besonders, wenn sie deine Likes auswertet und dich daraufhin mit allem möglichen an Tests zu Thema Kommunikation, Beziehung, Selbstfindung, etc. zubombardiert. Jedenfalls passiert mir das immer wieder. Aber ich habe auch festgestellt, dass diese ganzen Dinger, und auch Ratgeber, Webinare usw. nur noch mehr zur völligen Verwirrung beitragen können. Ja, sie erklären auch das ein oder andere und man versteht Zusammenhänge besser. Aber im Nachhinein lassen sie einen verwirrter zurück, als man vorher war. Hinzu kommen die ganzen, durchaus gut gemeinten, Ratschläge und Aussagen von Bekannten, Freunden und diverser anderer Personen, die aber dennoch selten wirklich passen und unter Umständen mehr Schaden anrichten, als das sie helfen. Mal ganz davon abgesehen, dass sie immer subjektiv sind und selten objektiv. Es kommt immer darauf an, wie dein Gegenüber zu diversen Themen steht. Entsprechend beeinflusst das die Aussagen und Ratschläge. Natürlich fragst du eher auch die Menschen um Ratschläge, wo du weißt, dass sie eher dir gut zureden. Wie gesagt, subjektiv und objektiv. Und irgendwann weiß man auch gar nicht mehr, wer oder was man ist? Fisch oder Fahrrad?
Das ging mir eine ganze Weile so und auch das hat mich immer unglücklicher gemacht. Ich habe mir selber Vorwürfe gemacht, weil ich so bin, wie ich bin. Weil ich das gehörte, gelesene, gesagte nicht geschafft habe, umzusetzen. Die Selbstzweifel, andere können das doch auch, warum kannst du das nicht? Was stimmt mit dir nicht? Dieser Weg führt zweifellos nach unten, sehr weit nach unten.
Während meiner Reha kamen die Erkenntnisse. Und der Glaube an mich kam auch wieder. Die Einsicht, dass der Weg der anderen nicht mein Eigener sein muss. Ich muss keine Seminare machen, Bücher durchackern und ich belabern lassen, von Menschen, die nicht das nötige Gespür haben, zwischen den Zeilen meiner Äußerungen zu lesen oder mich in meiner Mimik zu beobachten, um MICH zu verstehen. Ich kann das machen, sollte aber dann auch reflektieren, was davon zu mir gehört und was nicht.
Ich muss nicht das Gleiche mögen und kann dennoch das Gleiche leben. Der eine isst gerne asiatisches Street-Food, nimmt, was kommt und lässt sich überraschen, der andere geht gerne ins Restaurant mit anregenden Gesprächen und sucht sich aus, was er will. Das Ziel bei beiden ist dasselbe: Leckeres Essen in netter Atmosphäre und satt werden. Und dennoch lassen sich genug Wege finden, auch oft genug gemeinsam lecker zu essen.
Mein eigener Weg stellt mich und mein Glück, meine Wünsche, meine Ziele mehr in den Vordergrund. Ich weiß, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, meine Wünsche wahr werden zu lassen, meine Ziele zu erreichen. Ich weiß, dass ich (wieder oder immer noch?) stark genug bin, meinen Weg auch allein zu gehen. Denn niemand von uns kann vorhersagen, was uns im Leben erwartet und wann es vorbei ist. Auch das habe ich vor einiger Zeit schmerzlich wieder vor Augen gehalten bekommen.
Ja, ich habe Ausreden gefunden, habe mich gewunden, habe nicht gewusst, was ich will oder wie ich ausdrücken soll, was in mir vorgeht. Ich habe geliebten Menschen etwas vorgemacht und vor allem mir selbst etwas vorgemacht, ohne zu kapieren, was das bei allen Beteiligten anrichten kann. Auch ein Weg, den ich scheinbar gehen musste, um irgendwann den Spiegel vorgehalten zu bekommen, um Dinge auch aus anderen Perspektiven zu sehen und vor allem, um zu verstehen.
Doch es gibt halt auch immer zwei Seiten der Medaille und so sind ganz viele Dinge, Reaktionen auf vorangegangene Aktionen. Dinge, die man aus alten Mustern und Erfahrungen so macht, wie man sie immer macht, um möglichst bequem aus gewissen Sachen rauszukommen. Da sind fast immer beide Parteien gleich. Nur sind diese Dinge halt nicht immer gut. Und so triggern sich Menschen gegenseitig aus alten erlernten Mustern heraus, ohne böse Absicht, aber mit Ergebnissen die gegenseitig kränken und weh tun.
Den eigenen Weg und seine Ziele zu finden, ist nicht so einfach. Vor allem, wenn Kindheitstraumata mit reinspielen und manche Menschen noch viele, viele Jahre Macht über uns haben.
Viel, viel Zeit mit sich selbst verbringen, ist ein guter Weg. Gute Gespräche mit Menschen, die nicht nur Momentaufnahmen von einem kennen, sondern die zwischen den Zeilen lesen können. Die einen dazu bringen, sich selbst zu reflektieren und Dinge auch mal aus anderen Perspektiven mit anderen Gründen zu sehen und nachvollziehen zu können. Sich selbst verzeihen können und sich als das annehmen, was man ist, wie man ist, wer man ist.
Natürlich wird man immer mal falsch abbiegen, sich verirren, über Steine stolpern. Das gehört dazu. Wichtig ist, seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Dann wird man auch immer wieder den Weg dorthin finden.
